Arbeitsaufenthalt in Ditrău 22. – 25. Februar 2018

Vier Tage vollgepackt mit Arbeit, teilweise bei eisiger Kälte und Schnee im Freien oder in der gut geheizten Praxis sowie nächtliche Überraschungen mit Schneewehen, möchten wir euch in einem kleinen Fotobericht vorstellen.

Tierheim mit Aussicht und fröhlichen Hunden

Im Vordergrund sieht man die neu gebaute, an drei Seiten gemauerte und komplett überdachte Zwingeranlage mit großzügigem Freilauf für Welpen und Junghunde. Noch ist sie nicht komplett fertig gestellt. Erst im kommenden Frühjahr/Sommer kann es weiter gehen. Doch für die Hunde ist sie ein großer Gewinn: trocken, vor Wind und Wetter geschützt, können sie dort überwintern. Der Quarantäneraum ist noch nicht fertig, es fehlen noch Fenster, Tür und eine Zwischendecke, damit er winddicht und frostfest wird. Auch sollen alle Zwingerabteile noch verputzt werden. Erst ab Mai kann daran weitergearbeitet werden.

Vom 22. – 25. Februar 2018 waren wir zu viert in Ditrău – Daniela, Lutz, Saskia und ich. Wir haben uns fast alle Hunde angesehen und viel gearbeitet und fotografiert: Auf dem Programm standen vor allem die Junghunde, die seit dem Sommer neu ins Tierheim gekommen sind, natürlich auch Besuche bei unseren älteren Karpatenstreunern, sowie der Bau von vier Hundehütten, die als vorgefertigte Bauteile mit einem Transport eine Woche zuvor aus Deutschland gekommen sind. Darüber hinaus sind an zwei Tagen 41 Hunde von unserem fantastischen Tierarzt Lehel Székly kastriert worden, womit auch wir alle Hände voll zu tun hatten: Hunde einfangen, in die Praxis bringen, wiegen und für die OP vorbereiten. Nach der OP dann Überwachung der noch narkotisierten Patienten und unser ausgeklügeltes – manchmal etwas chaotisches – Management, welcher Hund neben welchem aufwachen kann … Zur Ruhe kamen wir erst, wenn Lehel wieder weg war. und auch der letzte Patient versorgt war. Obwohl die Hunde bei Narkose nüchtern sind, kommt ja doch bei vielen vorne oder hinten „etwas“ raus, das man schnell wegputzen muss. Eine „Wäschewechsel“ in einem Käfig mit drei schlafenden Hündinnen, ist schon ein etwas größerer Akt.
Seit unserem letzten Besuch im Juli 2017 ist bezüglich der Geburtenkontrolle leider einiges versäumt worden, und so waren einige Junghündinnen läufig und die unkastrierten Rüden reichlich „aufgeregt“. Aber jetzt ist alles wieder im Lot, es war zum Glück noch keine Hündin trächtig.

Donnerstag, 22.Februar 2018

Als erstes schauen wir uns natürlich die neue Zwingeranlage an. Alle Türen sind offen und die Hunde toben im Schnee herum. Sie haben schöne dicke Winterpelzchen, sehen gut genährt aus. Kein Hund schnieft oder hustet und deutliche Verletzungen fallen uns auch nicht auf. Sie wirken freundlich und zufrieden. Gegen die Kälte haben sie dichtes plüschiges Winterfell. Natürlich wären sie noch glücklicher, wenn sie eine eigene Familie hätten.

Links im Bild befindet sich der zukünftige Quarantäneraum

Wir sind sehr glücklich, dass es mit dem Neubau noch vor dem Winter geklappt hat und
bedanken uns ganz herzlich bei allen Menschen, die geholfen haben, auch diesen Traum zu verwirklichen.
Auf die finanzielle Situation, wie Einnahmen und Ausgaben, werden wir in einem späteren Bericht genauer eingehen, denn bislang ist noch nicht alles abgerechnet, zumal auch noch nicht alle Arbeiten erfolgt sind. Es dauert in Rumänien immer ein bisschen länger, bis man Rechnungen bekommt, die wir auch unserem Finanzamt vorlegen können, denn alles muss ja zur Erhaltung der Gemeinnützigkeit bis auf den letzten Euro korrekt sein.

Blick in den hinteren Bereich, der durch einen noch etwas provisorischen Zaun vom Junghundebereich getrennt ist. – Ein weiteres wichtiges Sommerprojekt!

Doch den Hunden sind solche „Kleinigkeiten“ egal, sie kommen gut geschützt durch den Winter, in ihren Hütten mit Stroh sind sie gut geschützt vor Wind, Kälte und Nässe.

Als weiteres Projekt für Frühjahr / Sommer 2018 stehen neue Hundehütten auf dem Plan. Levente hat die alten Hundehäuser, die alle noch aus Gheorgheni stammen, notdürftig repariert und auf die Bedürfnisse der Welpen und Junghunde zurecht gebastelt. Doch eigentlich sind sie viel zu groß, unhandlich und baufällig.

Den ganzen Vormittag über dürfen die Junghunde draussen spielen und toben. Dann gibt es Futter und die Zwinger werden geschlossen. Es kehrt für ein paar Stunden Ruhe ein.

Den Rest des Tages verbringen wir damit, die morgen beginnende Kastrationsaktion im Haus vorzubereiten und nebenbei ein bisschen mit den „Haushunden“ zu spielen und zu kuscheln.

Lutz baut die Hundehütten zusammen, trotz Schneeschauer und eisigem Wind

Am Haus leben zur Zeit Inca, Mira, Moira und Leventes drei Hunde Bella, Mowgli, das Purzelchen, sowie das alte Hundemännchen Josef. Er würde sonst den Winter nicht überstehen. Er darf nachts im warmen Haus schlafen, weil er hustet. Aber tagsüber sieht man ihn oft mit den Junghunden im Schnee herumtoben.

Josef

Freitag 23. und Samstag 24. Februar 2018

Einundvierzig Hunde an zwei Tagen!

Unser Tierarzt Lehel Székely hat sich dieses Mal selber übertroffen und 41 Hunde an 2 Tagen kastriert, wie am Fließband …. mit unglaublicher Konzentration und Genauigkeit, über die ich immer wieder staune.

Fast alles waren Junghunde, davon 13 Mädels, die gerade anfingen, läufig zu werden. Die Kastra bei Junghündinnen ist erfahrungsgemäß einfacher, als wenn sie schon mehrfach trächtig waren. Lehel macht nur einen wenige Zentimeter langen Schnitt und nach 15 Minuten ist alles wieder zugenäht.  Unser Problem war das extrem kalte Wetter, denn die Hunde mussten auch nach dem Aufwachen noch längere Zeit im Warmen bleiben, die Hündinnen sogar über Nacht, um sich zu erholen.

Unser toller neuer (gebrauchter) OP-Tisch war auch für Lehel eine Erleichterung, denn er konnte sich den Tisch so hoch stellen, wie er ihn jeweils benötigte, konnte ihn drehen und bei sehr schweren Hunden hydraulisch nach unten „pumpen“, um die schweren Hunde darauf zu legen. Insgesamt einfach klasse. Kosten dafür waren 1.000 € plus ca. 50 € für den Transport nach Rumänien. Danke an das Stemweder Krankenpflegeteam und Frank W. für die großzügigen Spenden.

Dalton, einer unserer ersten Patienten
Auch die größeren Hunde passen gut auf den neuen Tisch
Hoshi wird vor der OP gewogen
Im Aufwachraum: Geronimo, Connor, Nantha, Yati, Baron und andere
Die kleine Ramira wird kastriert
Graziella, Greta und Ginger schlafen in der großen Gitterbox ihren Narkoserausch aus.
Langsam werden sie wacher, in der Mitte Blur.
Das Bringen der Hunde zum Tierarzt ist nicht immer so einfach: die kleine verängstigte Rosalie hat einfach „laufen lassen“, als wir sie aus der Hütte herausgenommen haben. Also haben wir ihr einen Eimer untergehalten.
Beim Wiegen ist sie einfach in ihrem Eimer sitzen geblieben.
Einer unserer ganz großen Hunde, Rodolfo, passt auch auf den Tisch.

Im Verlauf einer solchen Aktion haben wir auch immer Gelegenheit, neue Hunde etwas besser kennenzulernen, ihr Verhalten in einer Ausnahmesituation und im Haus zu beobachten. Jetzt kennen wir alle Junghunde und die Neuen seit Juli 2017 und können sie besser beurteilen und beschreiben. Viele von ihnen sind bereit für ein tolles neues Zuhause.

Ein ganz ganz großer Erfolg unserer bisherigen Arbeit: Die Menschen in den Dörfern rund um Ditrau, Lazarea, Toplitza …. fragen bei Agota oder Mirabela nach, wann es die nächste öffentliche Kastra-Aktion geben wird. Natürlich ist für den Sommer 2018 eine solche Aktion geplant. Wir danken allen UnterstützerInnen ganz herzlich und hoffen, dass ihr uns auch weiterhin dabei helft – für unsere wunderbaren Karpatenstreuner. Nur so können wir der Flut immer neuer ausgeetzer Welpen entgegenwirken. Wir hoffen durch unsere Arbeit auch die Denkweise der Menschen vor Ort insofern beeinflussen zu können, dass sie Hunde und Katzen anders wahr nehmen, als Familienmitglieder.

Sonntag 25. Februar 2018

In den letzten Tagen hat es oft und viel geschneit, aber heute scheint die Sonne. Es ist wunderschön, die Hunde sind sauber wie selten und mit ihren dicken Winterpelzen sehen sie schön plüschig aus. Sie toben durch die Freiläufe, spielen und genießen die Sonnenstrahlen, die sogar schon ein bisschen wärmen. Den Tag haben wir uns für die Hunde reserviert, wir wollen alle einmal besuchen, diejenigen streicheln, die es zulassen, sie beobachten und mit ihnen spielen.

Inca
Saskia und Struppi

Daniela besucht Thor und besticht ihn mit Hundekuchen. Es ist für uns besser, wenn ein Gitter dazwischen ist. Finn und Nuri möchten auch gerne Hundekuchen.
Die neuen Hundehütten werden in die Zwinger gebracht, eine wird im großen Zwinger benötigt, eine bei den Junghunden und zwei bleiben auf der Terrasse für die Haushunde. Zumindest jetzt im Winter.
Eine neue Hütte ist spannend für die Hunde.
Jetzt ist Mittagszeit und Ruhe in den Zwingern.

Am Mittag hatte ich noch festgestellt,
dass es während unseres Besuchs dieses Mal keine neuen Hunde, keine Katastrophen oder sonstige Überraschungen geben hat. Doch das änderte sich kurz darauf. Ein städtischer Mitarbeiter brachte einen kleinen Hund, den jemand in einem Sack auf der Straße gefunden hat. Das kleine Dingelchen ist völlig ausgemergelt verdreckt und dehydriert. Gerade mal 30 cm. Nun ist sie bei uns, und wird erst einmal aufgepäppelt.

Sie hat sich sich auf das Futter im Napf gestürzt, als hätte sie schon Tage lang nichts mehr zu fressen bekommen oder gefunden.

Kurz bevor die Sonne untergeht…
…und das winterliche Tierheim in „kitschiges“ Abendlicht taucht, dürfen alle Hunde noch eine fröhliche Runde toben, spielen, den Mond anbellen…

Es ist immer ein magischer Moment, wenn Levente alle Zwingertüren der Reihe nach öffnet und die Hunde fröhlich nach draussen stürzen und rennen, die Hunde von den anderen Zwingern begrüßen und einfach Riesenspaß haben. Dann kann man auch erkennen, wer hier “stuben-” oder besser “zwingerrein” ist, denn diese Hunde hocken sich nach der ersten Rennrunde in eine ferne Ecke und erledigen wichtige Dinge.
Andere besuchen ihre Nachbarn beschnüffeln alles und leeren systematisch fremde Futternäpfe. Spielzeuge werden durch die Gegend getragen und auf Tauglichkeit getestet. Levente und menschliche Besucher im Freilauf haben eine besondere Anziehungskraft, doch man muss schon standfest und durchsetzungsfähig sein. Erlaubt man einem Hund an einem hochzuspringen wollen bald ganz viele…

Liebe Freundinnen und Freunde der wunderbaren Karpatenstreuner. Vier Tage Aufenthalt sind vorüber. Es war teils harte Arbeit, aber wir hatten auch viel Freude mit den Menschen und den Hunden.

Dafür danken wir EUCH ALLEN von ganzem Herzen, denn nur durch eure Hilfe und Unterstützung in vielfältigster Weise können unsere Hunde so fröhlich sein: Sie sind sind gut genährt und haben wunderschönes Winterfell. Danke an die Patinnen und Paten, und an alle die im Herbst für die Extra-Portionen Wintervorrat gespendet haben.

Unsere Hunden haben Dank Eurer finanziellen Unterstützung ein Dach über dem Kopf und sind innerhalb der Mauern und in ihren Hütten gut geschützt gegen den rauen Karpatenwinter. Danke, dass wir diese beiden Zwingeranlagen bauen konnten. Noch ist nicht alles perfekt, vor allem an den Welpenzwingern ist noch einiges zu tun, aber bald kommt der Sommer …

Unsere Hunde haben adäquate medizinische Versorgung, alle Junghunde über 8 Monate sind jetzt kastriert und müssen nun keine Welpen mehr zeugen, werfen und ernähren. Sie können unbekümmert im Jetzt und Hier leben.

Danke an Levente Kemenes, der jeden Tag – auch bei bitterster Kälte – um 6 Uhr aufsteht und die Zwinger reinigt, die Hunde spielen und toben lässt, ihnen Wasser und Futter bringt und dasselbe dann nochmal am Nachmittag wiederholt. Dabei kennt er jeden Hund einzeln, streichelt sie, spielt ein bisschen mit ihnen. Der ganz besondere Lohn: sie vertrauen ihm.

Danke an Agota Jakab, die mit mir zusammen die ganze Organisation des Tierheims macht, die regelmäßig im Tierheim mit anfasst, sich darum kümmert, dass der „Laden läuft“.

Danke Maria-Mirabela Joandrea, die immer wieder mithilft und auch bei Kastrationsaktion jetzt einen Tag lang Hunde geschleppt und nach der OP versorgt hat.

Danke an alle Taufpaten, Langzeitpaten und Kastrationspaten.
Für die Kastrationsaktion sind 1.260 € auf unser Konto eingegangen für 42 Hunde je 30 €.

Der Tierarzt hat uns umgerechnet 1.060 € in Rechnung gestellt. ( für 41 Hunde je 26 €) Da dieses Mal keine weiteren Operationen oder Komplikationen aufgetreten sind.

Daher sind 200 € übrig für die nächte öffentliche Kastrationsaktion, die wir für Juli 2018 über mindestens 3 Tage planen. In unser Programm werden wir auch wieder die Besitzerhunde der umliegenden Dörfer mit einbeziehen, um möglichst flächendeckend viele Hunde und Katzen unfruchtbar zu machen. Nur so lassen sich unerwünschte Welpen und Kätzchen verhindern. Auch wenn in unserem Tierheim keine Katzen aufgenommen werden können, so leben bei Agota auf ihrem privaten Gelände derzeit über 30 ehemalige Streunerkatzen.

Wir hoffen, dass wir auch bei dieser Aktion wieder auf Eure Unterstützung hoffen können.

Mit herzlichen Grüßen

Ingrid Weidig