Kaya

GeschlechtHündin
Geboren10.2.2017

Juli 2019

Genau vor einem Jahr am 07.07.2018 hab ich Kaya in unserem Tierheim in Rumänien kennengelernt – Zeit für ein Update.

Im September vergangenen Jahres zeigte Kaya ein Verhalten, das uns letztendlich dazu bewogen hat, nachts am Wochenende (wann auch sonst) in eine Tierklinik zu fahren. Sie war sehr unruhig, konnte keine fünf Minuten ruhig liegen bleiben und hechelte ununterbrochen. Für eine Magendrehung fehlten zwar noch ein paar Symptome, jedoch wollte ich lieber Nichts riskieren. In der Klinik wurde auf die Schnelle ein Röntgenbild des Bauchraumes gemacht und die Diagnose lautete: evt. Fremdkörper im Magen. Zur Beobachtung und weiteren Diagnostik musste Kaya stationär aufgenommen werden. Im weiteren Verlauf der Nacht ging mir so einiges durch den Kopf. Was könnte sie gefressen haben? Das war eigentlich gar nicht ihre Art.

Am späten Vormittag klingelte dann das Telefon und eine Ärztin teilte uns mit, dass Kaya einen Leber-Shunt hat. Einfach gesagt, ist das eine falsch ausgebildete Ader, die das Blut an der Leber vorbei führt. Dadurch ist die Leber sehr klein und das Blut wird nicht ausreichend von Giftstoffen befreit. Natürlich hatten wir Kaya seit ihrer Ankunft sehr hochwertiges Futter mit hohem Fleischanteil gegeben, damit sie möglichst schnell etwas auf ihre dürren Rippen bekommt. Genau das hat jedoch in Verbindung mit dem Shunt dazu geführt, dass sich viel Ammoniak im Blut angereichert hat und sie langsam innerlich vergiftet wurde. Als erste Maßnahme wurde eine strenge Diät mit Spezialfutter verordnet: möglichst kein Fleisch und nur hochwertige Eiweiße aus z. B. Käse und Joghurt.

Nach zwei Tagen durfte Kaya wieder nach Hause und wir haben sie fast nicht wiedererkannt! Der sonst sehr träge und gelangweilt wirkende Hund war auf einmal aufmerksam und hat seine Umwelt aktiv erkundet. Die Futterumstellung alleine ist jedoch nicht ausreichend, um die Vergiftung zu stoppen, daher wurde eine Operation des Shunts durchgeführt. Hierbei wurde die Ader mit einem Band etwas verengt. Dadurch soll eine Entzündungsreaktion hervorgerufen werden und der Körper würde den Shunt nach und nach verschließen. Die erste Nachkontrolle zeigte dann auch die gewünschten Entzündungswerte und wir waren guter Hoffnung, dass die Kontrolle in drei Monaten positiv ausfällt.

Leider wurden wir enttäuscht: die Blutwerte hatten sich nicht verbessert und der Shunt war nicht verschlossen. Also wurde in einer zweiten OP ein Ring um die Ader gelegt, der innerhalb von ein paar Wochen aufquillt und so den Shunt komplett verschließt. Bei der ersten Nachkontrolle vier Wochen später, zeigten sich jedoch noch keine verbesserten Blutwerte. Seitens der Ärzte wurde nun beschlossen, dass die nächste Kontrolle erst nach weiteren drei Monaten Sinn macht.

Dieser Termin fand nun vor einer guten Woche statt und wieder zeigten sich die unverändert hohen Ammoniak-Werte im Blut. Das Klinik-Team wirkte so langsam auch etwas ratlos und hat nun vergangenen Montag ein weiteres CT auf eigene Kosten durchgeführt.

Der erste schnelle Befund am Dienstag Nachmittag lautete, dass der Ring wohl durch einen Materialfehler nicht aufgequollen ist und der Shunt nach wie vor durchblutet wird. Wir konnten das nicht so recht glauben und forderten die Bilder des CT an, um eine zweite Meinung dazu einholen zu können. In der Klinik hat sich eine andere Ärztin, die den Befund mehr als ungewöhnlich fand, ausgiebig mit allen Untersuchungsergebnissen und den CT-Aufnahmen beschäftigt. Drum klingelte an diesem Freitag erneut bei mir das Telefon. Sie hatte einen Verdacht, der auch durch eine externe Stelle bestätigt wurde: sowohl der Ring als auch das Band wurden bei den OPs um die falsche Ader gelegt!

Wir können es einfach nicht glauben! Ein dreiviertel Jahr warten, zwei Operationen und zahlreiche Blutuntersuchungen musste Kaya über sich ergehen lassen und jetzt war alles umsonst! Zum Glück war die Ader, die fälschlicherweise nun abgebunden ist, nicht lebensnotwendig, sonst wäre Kaya bereits verstorben. Es ist aber einfach nur ärgerlich, dass die ganzen Strapazen vollkommen unnötig gewesen sind. Das bedeutet leider auch, dass wir jetzt wieder ganz von Vorne anfangen müssen und Kaya mindestens eine weitere Operation bevorsteht – jedoch definitiv in einer anderen Klinik. Ohne Operation würde ihre Lebenserwartung drastisch verkürzt, da der Köper durch die andauernde Vergiftung – auch wenn sie durch die Diät stark reduziert wird – angegriffen und geschädigt wird.

Es gibt aber auch Schönes über das vergangene Jahr zu berichten! Ich habe bereits geschrieben, dass sie durch die Futterumstellung ein ganz anderer Hund geworden ist. Sie liebt inzwischen alle Menschen, möchte auch von Fremden einfach nur gestreichelt und liebgehabt werden. Andere Hunde waren vorher gruselig, jetzt wird mit allen ausgiebig gespielt. Man merkt, dass sie viel nachzuholen hat. In der Spielstunde der Hundeschule begrüßt sie zuerst die Menschen und geht dann von einem Hund zum Anderen und möchte spielen. Wir hätten nie gedacht, dass Kaya einmal so ein aufgeschlossener Hund sein kann. Sie genießt ihr „neues“ Leben in allen Zügen. Inzwischen haben sich auch ein paar Verhaltensmuster gezeigt, dir für einen Herdenschutzhund typisch sind. So bewacht sie beispielsweise „ihr“ Haus und „ihren“ Garten. Und wenn so ein großer Hund anfängt zu knurren und zu drohen, wird einem wirklich anders zu mute. Sie lässt sich dann aber durchaus von uns davon überzeugen, dass alles in Ordnung ist und der potentielle Eindringling keine Bedrohung darstellt, ganz abgewöhnen können wir ihr das Verhalten aber sicher nicht.

Kaya mit ihrem Lieblings-Schwein im Garten

Diese positive Entwicklung bestätigt uns auf jeden Fall darin, ihr die weitere Behandlung des Leber-Shunts zu ermöglichen. Bitte drückt ihr die Daumen und Pfoten, dass die sinnlos verstrichene Zeit ihr nicht zum Verhängnis wird.

August 2018

Das schreibt Lutz über die ersten zwei Wochen mit Kaya:

Es war schon sehr aufregend, die „Kleine“ nach ihrer langen Reise in Frankfurt in Empfang zu nehmen. Nachdem Sie sich auf dem Parkplatz etwas die Beine vertreten und sich erleichtert hatte, haben wir die letzte Etappe ins neue Zuhause angetreten. Kaya war im Kofferraum in der Transportbox ausgesprochen ruhig. Vielleicht lag es auch an Nicky, die auf einem Rücksitz platzgenommen hatte, um sie im Notfall beruhigen zu können. Auf jeden Fall waren die knapp zwei Stunden Fahrt kein Problem.

In der Wohnung und dem kleinen Garten hat sie sich nun schon sehr gut eingelebt. Keine Ahnung, ob es vielleicht an der Hitze liegt, aber mit einem Hundekörbchen kann sie Nichts anfangen. Sie schmeißt sich lieber auf die nackten (und kühlen) Fliesen. Da kommt wohl ihre bisherige rustikale Lebensweise durch. Man merkt aber ganz deutlich, dass sie vorher schon bei einer Familie gelebt hat. Abgesehen von zwei kleinen Patzern ist sie bereits Stubenrein und meldet sich, wenn sie raus muss. In den ersten beiden Nächten hatte sie im Wohnzimmer von uns Gesellschaft, seitdem schläft sie brav alleine, ohne zu jaulen.

Am Donnerstag wurde sie dann wirklich neugierig und ist mal eben die Treppe rauf gegangen. Ich staunte nicht schlecht, als sie auf einmal neben mir stand. Runter wollte sie dann aber doch nicht von alleine und ich musste sie tragen. Beflügelt von ihrem Erfolg hat sie am nächsten Tag alles beiseite geräumt, was wir irgendwie vor die Treppe gestellt haben und ist beide Etagen hoch, wo sie dann darauf gewartet hat, dass jemand sie wieder runter bringt. Da das natürlich mit ihrer kaputten Hüfte kein Dauerzustand sein kann, haben wir schnell ein Treppengitter aus dem Babymarkt besorgt und installiert. Sie war etwas verdutzt, hat es aber ohne zu murren akzeptiert. Den Samstag hat sie dann die Couch für sich entdeckt. Da das hier aber auch nicht gewünscht ist, konnten wir sie mit etwas Alufolie auf der Couch davon überzeugen, dass die Couch doof ist.

Zwischendurch waren wir bereits zweimal beim Tierarzt. Kaya hat Probleme mit dem Magen-Darm und sollte einmal durchgecheckt werden. Als Ergebnis wissen wir nun, dass Ihre Entzündungswerte im Blut erhöht sind, aber alle Organe einwandfrei funktionieren. Da hatte ich mir wegen der offensichtlichen Mangelernährung vorher schon Sorgen gemacht – anscheinend unbegründet. Beim zweiten Besuch waren die Entzündungswerte auch schon rückläufig. Leider hat die Maus sich jedoch ihre Kastra-Narbe etwas geöffnet und musste daher geklammert werden. Das stehen wir aber sicher auch durch. Aktuell macht sie zumindest keine Anstalten, die Klammer selbst zu entfernen.

Unsere Spaziergänge in der näheren Umgebung sind für sie leider noch sehr gruselig. In dem großen Kangal steckt noch sehr wenig Selbstvertrauen und es ist alles so neu für sie. Bei dem Kontakt mit dem ersten Jogger hätte sie sich am liebsten unter einem Auto verkrochen. Inzwischen kann man sie aber mit Leckerchen gut motivieren und ihr zeigen, dass die Welt da draußen gar nicht so gruselig ist. Nach einer knappen Woche hat sie schon gut Vertrauen zu uns gefasst.

Vergangenen Sonntag hat meine Schwester im Garten ihren Geburtstag gefeiert. Wir hatten uns eigentlich darauf eingestellt, dass wir mit Kaya relativ schnell wieder fahren, weil es ihr zuviel Trubel wird. Aber nix da: sie war die Ruhe selbst, hat neben den spielenden Kindern sogar geschlafen. Da soll mal jemand sagen, Herdenschutzhunde können keine Familienhunde werden! Bei Kaya habe ich absolut keine Bedenken – weitere konsequente Erziehung vorausgesetzt.

Gerade eben haben wir mit einer Autorampe geübt, damit sie mit ihren Knochen selbst ein- und aussteigen kann. Auf Dauer ist sie nämlich definitiv zu schwer zum Heben. Nach etwa einer halben Stunde hat sie mich total überrascht und ist ohne Leckerchen die Rampe vom Garten rauf ins Wohnzimmer gegangen. Schlaue kleine Kaya. Leider hatte ich das Handy nicht so schnell greifbar und kein Beweisfoto.

Alles in Allem eine wunderbare Woche mit unserem neuen Familienmitglied. Die Angst draußen zu überwinden wird sicher noch einige Zeit beanspruchen, aber mit viel Pflege und Liebe meistern wir auch das. Wir möchten sie nicht mehr missen und ich behaupte mal, Kaya uns auch nicht.

Lutz B.

29. Juli 2018

Gestern sind die Kaya, Inca und Ben mit einem Transport von Florin Savedogs bis nach Frankfurt gebracht worden, Kaya wurde direkt von Lutz dort abgeholt.

Kaya war ein sehr schlaue, denn sie muss geahnt haben, dass Lutz noch keinen Karpatenstreuner bei sich zuhause hat. Das geht gar nicht. Sie hat sich erfolgreich in sein Herz geschlichen, und da sie ein wirklicher Notfall war, durfte sie schon jetzt mit ausreisen. Sie hatte nicht nur das denkbar schlechteste Gangbild, sondern war auch noch abgemagert und mochte nicht fressen, weil sie sich extrem nach menschlicher Zuneigung sehnte. Das wird noch ein langer schwerer Weg mit Hüftoperationen, aber sie hat jetzt die richtigen Menschen an ihrer Seite.

Update Juli 2018

Wir hatten die Gelegenheit, die Tierarztpraxis von Equivent zu besuchen und waren mit Kaya, Inca sowie Ben dort. Die Röntgenaufnahme von Kayas Hüfte sieht leider mehr als schlecht aus. Sie hat hochgradig Hüftdisplasie (HD); die Gelenkpfannen sind nur ansatzweise zu erkennen. Eine Operation geschweige denn Behandlung durch Physiotherapie ist in Rumänien leider nicht machbar.

Juli 2018

Kaya ist eine wunderschöne Kangal-Mix Hündin und wurde als Welpe von einer jungen Frau aufgenommen. Inzwischen ist diese mit ihrer Familie nach Deutschland gegangen, weil sie dort Arbeit gefunden hat. Für ihren Hund war anscheinend kein Platz mehr und so kam sie bei Levente im Tierheim vorbei. Kaya ist ca. 65cm hoch und 15 Monate alt.

Einen Namenspaten für die Grundversorgung haben wir bereits gefunden. Kaya ist leider total abgemagert und erinnert an Mary, die letztes Jahr mit ihren Welpen Mira und Moira zu uns kam. Wenn wir Mary heute sehen, wissen wir, dass auch Kaya von Levente wieder ordentlich aufgepäppelt wird.

Kaya ist sehr menschenbezogen und man merkt, dass sie trotz ihrer Erfahrungen wieder eine neue Bindung eingehen möchte. Bevor es so weit ist, muss sie jedoch ein paar Kilo zulegen und auch einem Tierarzt vorgestellt werden. Im Moment können wir nicht einschätzen, ob sie wegen ihrer schwachen Muskulatur Probleme mit den Hinterbeinen hat, oder ein Defekt an der Hüfte oder den Knien vorliegt. Auch die Vorderbeine sehen nicht komplett gesund aus. Wir halten euch auf jeden Fall auf dem Laufenden, wie sich Kaya entwickelt.

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