Eine Geschichte von Vorfreude – Hoffnung – Enttäuschung – Durchhaltevermögen – Geduld & Liebe

November 2020

Eine Geschichte von Vorfreude – Hoffnung – Enttäuschung – Durchhaltevermögen – Geduld & Liebe.Das alles immer wieder im Wechsel.

Dalton kam Anfang August 2017 ins Tierheim. Da war er vielleicht 2 Monate alt. Mutterlos. Irgendwo ausgesetzt und halb verhungert. Er wuchs auf, lernte die Hundesprache und vor allem einen Menschen kennen, der ihn täglich fütterte. Hin und wieder kamen andere fremde Menschen, die ihm erstmal unheimlich waren. Doch er lernte schnell, dass ihm dort nicht Böses geschah. Die fremden Menschen kamen, brachten leckere Sachen, streichelten die Hunde und waren wieder weg. Meist war er ein Hund unter Hunden, das Leben war gut, ein besseres kannte er nicht. Es gab feste Regeln, Rituale, die Jahre vergingen.

Dalton wuchs heran, kam in die Pubertät, wurde erwachsen und ein wunderschöner stolzer großer Hund. Nun gab es Menschen in Deutschland, die sich in ihn verliebten. Sie wollten ihm ein noch schöneres Leben ermöglichen und freuten sich auf den Hund. Menschen mit Herdenschutzhund-Erfahrung und einer hübschen zutraulichen Hündin, die seine Freundin werden sollte.

Anfang Februar diesen Jahres kam Dalton mit einem Transporter in Deutschland an, er war reichlich verstört, da er ja nicht verstand, warum man ihn aus seinem Leben im Tierheim, mit dem er ja soweit zufrieden war, herausgerissen hatte. Als erstes verkroch er sich in die hinterste Ecke, wollte nichts mit den neuen Menschen zu tun haben, auch die Hündin beachtete er nicht. Er liess sich von den fremden Menschen streicheln, reagierte aber nicht. Tage lang, Wochen lang. Die Menschen wussten nicht weiter, sie wollten das Beste, nur der Hund wollte das Beste gar nicht haben.

Die Menschen waren enttäuscht, der Hund verängstigt, er war wie erstarrt und in sich gefangen. Langsam langsam und in winzigsten Schritten wurde es möglich, mit dem Hund spazieren zu gehen. Zum Transport-Trauma kam die psychische Deprivation, häufig auch Hospitalismus genannt, hinzu: In der Hauptlernphase des jungen Hundes fehlten unzählige Umwelt-Reize, Zuwendung und Möglichkeiten, das Zusammenleben mit Menschen zu erfahren. Alles das, was er als Welpe sehr einfach gelernt hätte, fiel ihm als erwachsener Hund extrem schwer. Diese Deprivation kann von Hund zu Hund sehr unterschiedlich ausgeprägt sein, manche schaffen es schnell, sich einzugewöhnen, aber je zurückhaltender ein Hund von Natur aus ist, desto länger kann es dauern.

Dalton hat alles über sich ergehen lassen, ohne zu zeigen, was ihm gefällt, er konnte “nicht aus sich heraus”.Seine Familie war verzweifelt, sie wussten nicht, was sie falsch machen, stellten sich selbst die Frage, ob sie überhaupt das “richtige” Zuhause für diesen Hund sein können. Ob es nicht besser sei, eine andere Stelle für ihn zu suchen. Immer wieder gab es zwar kleinste Fortschritte, aber ebenso größere Rückschritte, noch den Sommer über wollten sie es versuchen, wollten Dalton und sich eine Chance geben. Die äußeren Bedingungen im neuen Zuhause waren ideal, nur der Hund wusste es noch nicht.

Wir hatten uns als Deadline Ende Oktober gesetzt, um dann gemeinsam zu überlegen, wie es weitergehen sollte. Dalton schien das zu wissen, und plötzlich öffnete er sich in kleinsten Schritten, freute sich erst über die Frau, später auch über den Mann, kam ihnen entgegen, lief gerne mit ihnen. Nach neun gemeinsamen Monaten Durchhaltevermögen, Geduld, Zuwendung und Daltons eigenen Anstrengungen, sich aus der Erstarrung zu lösen, kam die erlösende Nachricht: wir möchten ihn bei uns behalten, er macht täglich kleine Fortschritte, und wir möchten ihn nicht mehr abgeben.

Dazu ein paar wunderschöne Bilder.