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Sommerbericht Juli - September 2018



Der Bericht besteht dieses Mal aus 2 Teilen:

1. Reisebericht 3. - 12. Juli 2018
2. Konsequenzen und Resultate , die wir aus dem Aufenthalt gezogen haben



Arbeitsaufenthalt in Ditrau 3. - 12. Juli 2018

ein Reisebericht von Ingrid Weidig 

 

levente und die Hunde im freilauf

 

Diesen Bericht zu schreiben ist mir sehr schwer gefallen. Lange habe ich es hinausgezögert, denn es hat dieses Mal vieles nicht so geklappt, wie gewünscht. Anderes dagegen hat sich gut entwickelt.


Schon im Vorhinein hatte uns Agota Jakab, die langjährige 1. Vorsitzende unseres Partnervereins GATE , wissen lassen, dass sie nach nun fast 10 Jahren intensiver Tierschutzarbeit vor Ort in Gheorgheni, Lazarea und Ditrau aus persönlichen Gründen ihre Aktivitäten in Ditrau stark zurückfahren muss, bzw eventuell sogar aufgeben wird. Das könnte erstmal heissen, dass die gesamte Belastung auf Levente liegen würde. Ein nahezu unhaltbarer Zustand! Darunter hatten zum ersten Mal die logistischen Vorbereitungen für die geplante Kastrationsaktion stark gelitten, so dass es nur zwei statt der ursprünglich geplanten drei Tage wurden. Dadurch wurde eine gute Chance vergeben, den Kontakt zu den Bewohnern von Ditrau zu intensivieren und ihnen den Nutzen unseres Tierheims nahe zu bringen. So kam es, dass fast ausschließlich Besitzerhunde und -Katzen aus Toplitza (organisiert von Mirabela und Freunden) oder Gheorgheni / Lazarea zur Kastration gebracht wurden. Trotzdem waren es zwei sinnvolle Tage und zahlreiche ungewollte Welpen und Kitten konnten verhindert werden. Die Menschen waren uns wie immer sehr dankbar dafür.

Wir unsererseits danken den Sponsoren, die dies ermöglicht haben, von ganzem Herzen.

Eine kleine Hündin wird von ihrem Besitzer zur Operation gebracht

kastra

 

Ein weiterer schwerwiegender Punkt, der zu grundlegenden Änderungen führen wird, ist die bedauerliche Tatsache, dass der im Februar 2018 geplante und besprochene Weiter- und Ausbau der 2. Zwingeranlage (Welpen, Junghunde, Quarantäne) nicht durchgeführt wurde, obwohl das Geld dafür schon von uns auf das Konto von GATE überwiesen wurde. Keine Zeit? Kein Interesse? Überforderung oder Erschöpfung ... Der Rohbau war Ende Dezember 2017 fertig gestellt worden und die drei Zwinger wurden gerade rechtzeitig vor dem strengen Winter von den Junghunden bezogen. Der vierseitig umbaute Einzelraum konnte nicht genutzt werden, er diente als provisorisches Lager für Krempel. Das sollte ab März geändert werden. Nun steht in drei Monaten erneut ein Winter bevor und wertvoller besonders geschützter Raum, der gerade für kleine Welpen oder kranke bzw. verletzte Neuzugänge bestens geeignet wäre, wird vergeudet. Das darf einfach nicht sein!
Eine Lösung, wie der Ausbau bis zum Winter fertig werden kann, ist leider erstmal nicht in Sicht.

Zustand des Raumes im Juli 2018

raum raum


Uns ist klar geworden, dass wir das Tierschutzzentrum professioneller führen müssen, alleine mit ehrenamtlichen Helfern geht das nicht weiter (nur Levente bekommt ein festes Brutto-Gehalt in Höhe von 500 € inklusive Sozialversicherungen von uns. Dazu freies Wohnen im Haus und die Versorgung seiner Hunde.)
Das bedeutet leider, dass wir in Zukunft höhere Personalkosten haben werden, die unser Budget stark belasten werden. Doch insgesamt muss sich die Leitung unseres Tierheims ändern und wir arbeiten jetzt intensiv an guten Lösungen und hoffen, dass durch die Hilfe eines andern in Rumänien tätigen Tierschutzvereins noch im September unser Quarantäneraum fix und fertig und bestimmungsgemäß nutzbar wird.

Unser nächster Schritt muss sein, das Tierheim bei der zuständigen Veterinärbehörde, DSVSA București, authorisieren zu lassen. Auch das hätte längst geschehen müssen, doch dafür ist der Quarantäneraum eine wichtige Bedingung.

Warum muss unser Tierheim autorisiert werden?
Nur wenn wir ein autorisiertes Shelter betreiben, haben wir eine rechtliche Sicherheit, wenn sich beispielsweise Nachbarn über Lärm oder Gestank oder überhaupt ... an offiziellen Stellen über uns beschweren. Dann können wir nachweisen, dass wir alle juristischen, umweltrechtlichen und veterinärmedizinischen Vorschriften erfüllen und die Beschwerden nicht berechtigt sind. Mit dem Bau der festen Zwinger samt umzäunter Freilaufbereiche, dem Umbau des Hauses, dem Wohnraum für Levente, der Einrichtung der Praxis, dem Futter- und Lagerhaus und jetzt bald der Quarantänestation haben wir diese Bedingungen überwiegend erfüllt. Wenn unser Tierschutzzentrum autorisiert ist, können wir beispielsweise auch selber die Traces-Papiere für die Ausfuhr unserer Hunde beantragen, bekommen Futterspenden von einer Fleischfabrik aus Gheorgheni und könnten unseren Vertrag mit der Gemeinde Ditrau ausweiten, die unser Tierheim finanziell unterstützt, insbesondere für Hunde, die wir von der Straße einfangen. All diese Dinge sind schon länger bekannt und stehen auf der To-Do-Liste. Wir haben auch dieses Mal wieder ausführlich mit Agota und Levente darüber geredet. Ebenso muss unser Vertrag mit unserem örtlichen Veterinär Lehel Székely ausgeweitet werden. Ziel ist, dass er jede Woche für 3 - 4 Stunden nach Ditrau kommt und sich den Hundebestand ansieht und eventuell notwendige Behandlungen vornimmt. Natürlich kostet auch das zusätzlich Geld.

Zudem haben wir diese Reise intensiv genutzt, neue Kontakte zu möglichen Helfern vor Ort zu knüpfen, miteinander die anstehenden Arbeiten zu planen und Kostenkalkulationen aufzustellen. Zum Glück waren wir dabei sehr erfolgreich und freuen uns jetzt auf die letzten großen Schritte, unser Tierheim in Ditrau fertig zu stellen. Ein Mitarbeiter einer anderen Tierschutzorganisation in Rumänien wird uns dabei tatkräftig und ideenreich unterstützen, sich vor Ort um die Bauarbeiten kümmern und die juristischen Notwendigkeiten in die Wege leiten. Dabei werden wir natürlich auch wieder EURE HILFE brauchen, denn leider kostet alles Geld, jeder Vertrag, jeder Quadratmeter Beton, alles will bezahlt werden.
Bislang hatte der Raum weder Tür noch Fenster. Daher sind wir mit Levente einkaufen gegangen und haben je eine Tür und ein Fenster in Auftrag gegeben. Sie wurden Ende Juli eingebaut. Die Rechnung ist bezahlt.

 

fenster tür
aussen rechnung

 

Die auf Maß gefertigten Fenster/Türe inklusive Transport und Einbau durch die Fachfirma haben uns 1484 RON gekostet. Das sind rund 320 €. Das ist ein sehr fairer Preis, da wir Rabatt bekommen haben.

Das gesamte Gebäude ist noch unverputzt und somit auch nicht wirklich witterungsbeständig. Alles muss jetzt verputzt werden,  von innen und aussen. Innen muss zudem ein säurefester Anstrich als Schutzschicht auf Boden und Wände bis etwas 50 cm Höhe aufgetragen werden. 
Im Sanitätsraum sollen auf den Boden und an die Wände bis etwa 90 cm Höhe Fliesen verlegt werden, um ihn hygienischer zu gestalten. Ebenso muss dort noch eine Zwischendecke (aus Rigips für Feuchträume mit Isolation) eingezogen werden, da das einfache Metalldach leider keine Kälte abhalten kann und der Wind zwischen Dach und Oberkante der Wand hindurch pfeift.
Dieser neu entstehende Raum soll für Neuankömmlinge, kleine Welpen, aber auch für kranke oder frisch operierte Hunde als Zwischenstation genutzt werden können. Es müssen elektrische Leitungen und eine Beleuchtung installiert werden. Wenn all das geschafft ist, haben wir einen vorschriftsmäßigen ordentlichen Sanitäts- und Quarantäneraum.

Einnahmen und Ausgaben für die Welpen- und Quarantänezwinger bis Juli 2018 können Sie aus der folgenden Tabelle ersehen:

abrechnung

 

Die gesamten Spendeneingänge für dieses Projekt beliefen sich auf 16.335 €. Für den Rohbau samt Zwingergittern haben wir 16.331 € ausgegeben. An den Verein GATE haben wir insgesamt 17.750 € überwiesen, damit der Rohbau verputzt und die verputzten Wände im Zwingerbereich ebenfalls mit säurefester Farbe beschichtet werden können. Der Rohbau wurde just vor Wintereinbruch fertig gestellt, ab etwa April hätte es weitergehen sollen. Dafür waren die restlichen überwiesenen 1.419 € gedacht. Eventuell hätten wir bei Bedarf erneut etwas Geld überwiesen. Leider war auch im Juli noch nichts geschehen. Die versprochenen Kostenvoranschläge waren nicht gekommen. Unser erster Anfang war dann der Kauf von Tür und Fenster (siehe oben).

Auszüge aus unserem Reisetagebuch

Dienstag, 3. Juli 2018
Nach einer langen Reise kommen wir, Daniela, Lutz und ich, abends im Tierheim an und staunen erst einmal: Levente hat sich richtig ins Zeug gelegt, alles wirkt sauber, das Haus ist geputzt und frisch gewischt, die Praxis ist aufgeräumt und einige Hunde kommen uns wie immer fröhlich kläffend entgegen. Ein guter Anfang. Morgen werden wir dann alles für die am Donnerstag beginnende Kastrationsaktion vorbereiten und endlich mal wieder bei unseren Karpatenstreunerhunden sein können. Es gibt einige neue Welpen, wir freuen uns schon darauf.

Mittwoch, 4. Juli

Es ist strahlend schönes Wetter und wir starten mit den Vorbereitungen für die morgen beginnende Kastrationsaktion.

 

kommunikation

Manchmal gibt es Wortfindungsprobleme, da Levente vor allem Ungarisch spricht, wir aber leider nur ein bisschen Rumänisch. Doch ein kleines Wörterbuch bringt uns immer zu einer Lösung. Mit den Hunden ist die internationale Kommunikation sehr viel einfacher.

 

daniela

 

Sie begrüßen uns freudig, drängeln sich vor, um nur ja einmal gestreichelt zu werden. Wir baden mal wieder in Hunden, die meisten mögen Menschen, einige sind misstrauisch und zwei, drei Hunde finden uns völlig überflüssig in ihrem Revier, was sie auch lautstark verkünden.

 

baron und nuri

 

samu

 

brad pitt

 

hunde

 

Nur die Hündin Blur ist extrem misstrauisch, und versteht ihre Artgenossen nicht, die sich um uns drängeln

blur

 

Am Nachmittag erfahren wir zu unserem Entsetzen, dass die Kastrationsaktion nur am Donnerstag und Freitag stattfinden wird, da Lehel am Samstag aus familiären Gründen unterwegs ist. Doch er hatte einen weiteren Tag am kommenden Montag oder Dienstag angeboten. Leider wurde von Seiten GATE's viel zu wenig Werbung gemacht, so dass nicht genügend Anmeldungen dafür eingegangen sind. So wurde - warum auch immer - eine wunderbare Chance vergeben, rund 20 Hündinnen und Rüden unfruchtbar zu machen und viele ungewollte Welpen zu verhindern. Auch ist jede Behandlung eines Tieres aus Ditrau ein wichtiger Schritt hin zu mehr Akzeptanz unseres Tierschutzzentrums in diesem Ort. Wir sind sehr enttäuscht, auch über die Tatsache, dass wir das jetzt erst so nebenbei von Agota erfahren, die  sich nicht einmal die Zeit genommen hatte, uns in Ditrau am Morgen zu begrüßen. Sie hat ihr eigenes kleines "Shelter" in Lazarea und nur noch wenig Zeit für Ditrau. So kann es definitiv nicht weiter gehen.
Wir lernen eine nette Familie in einem Nachbarort kennen, mit der Levente befreundet ist und die uns als Übersetzerin mehrer Stunden hilft mal alle Probleme des Shelters aus seiner Sicht zu sehen. Sprachlich bedingt liefen sonst die Gespräche über Agota in Englischer Sprache, doch es ist immer gut beide Seiten anzuhören.

Donnerstag und Freitag, 5./6. Juli

Öffentliche Kastrationsaktionen sind eigentlich immer ein "Highlight" unserer Sommeraufenthalte in Ditrau. Sie bieten eine Chance Kontakte zu Menschen ausserhalb des Tierheims zu knüpfen, und man hat im Nachhinein das Gefühl wieder etwas Sinnvolles geschafft zu haben. An den beiden Tagen wurden 16 Katzen und 26 Hunde ( in der Mehrheit Hündinnen) unfruchtbar gemacht. Ein kleiner Beitrag, das Elend der Straßentiere zu verringern, denn immer noch werden auch von den Besitzern der Hündinnen, die ungewollten Welpen einfach irgendwohin entsorgt, bestenfalls anonym vor das Tierheim gestellt, oder an einem Ort in der Nähe, schlimmstenfalls irgendwohin im Wald, die Wölfe werden sich schon drum kümmern. Das hört sich drastisch an, ist aber Realität. Jetzt bitte keine Aufschreie à la " wie kann man nur so grausam sein ..." Ehe wir in unserem Hunde-freundlichen Land nicht Tatbestände wie Massentierhaltung etc. abgeschafft haben, sollten wir vielleicht besser leise sein?
Wir geben unser Bestes, zumindest in einem kleinen Teil der Europäischen Union die Grausamkeit gegen Tiere zu verringern. Dass wir das überhaupt leisten können, verdanken wir unseren großartigen Sponsoren, die oft schon seit Jahren unseer Aktionen unterstützen.

Etwas Positives am Anfang: Wir erleben es immer öfter, dass Besitzer mit ihren Hunden und Katzen, die sie zu uns bringen sehr liebevoll umgehen, und dass die Tiere wirklich gut gepflegt sind.

Eine kleine Hündin wird nach der Kastration sehr behutsam und fürsorglich von ihrem Frauchen zugedeckt, obwohl es in der Sonne durchaus recht warm ist. Schon beim letzten Mal hatte diese Dame Tiere zu uns gebracht. Sie hat mehrere ehemalige Straßenhunde und -katzen bei sich aufgenommen.


kastra

 

kastra

 

Lehel bei der Arbeit, ohne Pause operiert er unglaublich konzentriert und sorgfältig.

kastra

 

kastra

 

kastra

 

kastra

 

Immer wenn Lehel vor Ort operiert, suchen wir uns stark verfilzte Hunde aus unserem Bestand aus, die wir in Narkose scheren müssen. So ist Lehel immer vor Ort und Narkosezwischenfälle können bestmöglich vermieden werden. Eigentlich sollte es zu solchen Verfilzungen gar nicht kommen dürfen, wenn früh genug beginnende Filzplacken abgeschnitten werden, insbesondere bei Hunden, die das mit sich machen lassen. Es gibt leider Hunde, bei denen es nicht geht, sie würden uns beissen. Dieses Mal ist die kleine Tibetterrier-Mischlingshündin Sandy dran. Sandy ist zwar friedlich, aber sehr hibbelig und bleibt nicht lange sitzen, die Gefahr ihr in die Haut zu schneiden wäre viel zu groß ohne Narkose. In Zukunft wollen wir, dass mehr darauf geachtet wird, die Verfilzungen gar nicht erst entstehen zu lassen. Auch ein wichtiger Punkt auf unserer To-Do-Liste.

Sandy vor der Behandlung

 

sandy

 

Lutz und Daniela arbeiten sich durch die Filzmatte

sandy

 

Sandy mit wunderschöner neuer Frisur. Endlich kann die Haut wieder atmen und Sandy sich frei bewegen. Noch ist sie etwas beduselt von der Narkose.

 

sandy

 

Zuguterletzt wird noch die Herdenschutzhündin Candy operiert. Levente hatte bei ihr einen Gesäugetumor entdeckt. Zum Glück ist er völlig verkapselt, und höchstwahrscheinlich nicht bösartig. Candy hat das riesengroße Glück, dass wir für sie eine wundervolle Familie in Deutschland gefunden haben und sie nächste Woche auf die Reise gehen darf.  Ihre Menschen werden sich um die OP-Nachsorge kümmern, Herrchen ist selber Tierarzt. Besser kann es nicht sein.

Candy nach dem Aufwachen. Ihre Narkose hatten wir schnell genutzt, sie ein wenig zu bürsten. Nun ist sie noch schöner.

 

candy

 

Abends nach einem langen Kastrationstag bei den Hunden im Tierheim zu sitzen und sie beim Spielen zu beobachten ist immer eine ganz besondere Belohnung.

 

burli

Burli und Muffin

 

WIR DANKEN ALLEN TIERLIEBEN MENSCHEN, die für das Kastrationsprojekt gespendet haben.
Es ist die stolze Summe von 1.929, 50 € auf unser Konto eingegangen.
Es wurden 13 Katzen und 4 Kater kastriert = 1.500 RON
Es wurden 35 Hunde kastriert = 4.200 RON
Die OP von Candy kostete = 300 RON.
Ausgegeben haben wir insgesamt 6.000 RON = ca. 1.300 €

Leider sind somit 630 € übrig geblieben, die wir gerne noch am 3. Aktionstag ausgegeben hätten. So werden wir sie für interne Kastrationen unsere Hunde nutzen. Es kommen ja immer mal neue Tiere, oder kleine Welpen werden zu erwachsenen geschlechtsreifen Hunden, die dann immer mal zwischendurch operiert werden müssen

 

Samstag, 7. Juli


Mal ein paar Gedanken: Geht es unseren Hunden eigentlich ZU GUT?


Manchmal möchte man das glauben. Immer wieder versuchen wir, auch Hunde zu vermitteln. Einige konnten auch in 2018 schon in ein neues Leben ausreisen. Doch für jeden Hund, den wir vermitteln, kommen 2 neue ins Tierheim. Wie zahlreiche andere Vereine auch, bieten wir unsere Hunde mit schönen Bildern und einer möglichst genauen Beschreibung z.B. auf facebook an. Mit nur mäßigem Erfolg. Bei anderen Vereinen scheint es besser zu klappen, je elender die Hunde in ihren verdreckten Zwingern sitzen und je trauriger sie aus dem räudigen Pelz schauen, desto größer scheinen die Chancen auf ein neues Leben ausserhalb des Tierheims zu sein.  Unsere Hunde lachen auf den Bildern meistens, sie sind leidlich sauber und fröhlich, doch auch sie wünschen sich eine Familie in der sie Prinz oder Prinzessin sein können. Aber wir versuchen es auf unsere Weise weiter, in der Zwischenzeit geht es den Hunden verhältnismäßig gut, doch auch wir müssen allmählich die Aufnahme von weiteren Hunden verweigern. Sicherlich könnte man die Zwinger noch mit weiteren Hunden belegen, aber schnell käme es zu  Stress, Futterneid, Rangordnungskämpfen und Beissereien. Ausserdem sieht unser Vertrag mit der Gemeinde Ditrau das Maximum von 60 Hunden vor. Wir haben inzwischen rund 100.

Auch wenn wir unsere Hauptaufgabe darin sehen, vor Ort das Elend an der Wurzel zu bekämpfen, müssen wir Hunde ins Ausland vermitteln. Mit Vermittlungen innerhalb Rumäniens, was ja nahe läge, haben wir leider immer wieder schlechte Erfahrungen gemacht. Die Menschen holen sich den Hund aus dem Tierheim, die Kinder sehen ihn als eine Art Spielzeug an, die Familien trennen sich, oder sie wandern aus nach Österreich, Italien ... der Hund bleibt zurück oder landet wieder bei uns und ist traumatisiert. Natürlich gibt es auch wundervolle Beispiele, wo die Hunde ein ganz tolles Zuhause in Rumänien gefunden haben.

WER MÖCHTE BITTE EINEN LACHENDEN FRÖHLICHEN KARPATENSTREUNER ADOPTIEREN?

Zum Beispiel Brad Pitt, er sucht ein Zuhause, ist immer fröhlich und gut gelaunt ... dazu klein und handlich

bradpitt


oder die kleine Nikita, ein Schoßhündchen mit Pfeffer im Allerwertesten ...

nikita

 

Wo finden sich Menschen für unsere wunderschönen stattlichen Herdenschutzhunde wie Mädi oder Rodolfo, die zwar groß sind, aber durch und durch freundlich. Oder den hübschen Burli, der leider noch reichlich ängstlich ist. Zwei regelrechte Freukekse, Boomer und Struppi haben Glück und dürfen bald in ein neues Leben reisen.

Was ist eigentlich an so hübschen Hunden wie Finn oder Rosa verkehrt? Nur weil sie überwiegend schwarz sind? Das kann es doch nicht sein. Wir haben mal ein wenig mit ihnen trainiert, d.h. sie bekamen ein Geschirr, und wir haben versucht, auf dem umzäunten Gelände einen kleinen Spaziergang zu machen.

Als erstes sollte Finn "ausgeführt werden", der sonst so großspurige und selbstbewusste Finn, wurde plötzlich sehr unsicher und klein, nur weil so ein komisches Ding um seinen Bauch gebunden wurde und die Menschen "etwas" von ihm wollten. Nur mit Dosenfutter konnten wir ihn dazu überreden, doch ein paar Schritte zu laufen.

finn

 

Seine kleine Schwester Rosa, nahm das viel lockerer.

rosa

Beide sind sehr zutraulich, menschenbezogen und freundlich. Rosa ist mit jederhund verträglich, Finn drängelt sich gerne vor, will der Chef sein, und wäre wahrscheinlich besser Einzelprinz.

Ganz problemlos leinenführig war die hübsche Mira, Geschirr um, Leine dran, ein bisschen Dosenfutter und schon konnten wir spazieren gehen (natürlich nur im eingezäunten Gelände!) Sie ist eine wunderbare junge Hündin, lebhaft, fröhlich, verspielt und sehr zutraulich zu Menschen.

mira

 

Andere Hunde konnten wir nicht einmal überreden, ein simples Halsband zu akzeptieren, obwohl gerade der rote Nuri sonst sehr verschmust und neugierig ist. Sobald er merkte, dass wir dieses Ding für ihn bereit hielten, war alle Zutraulichkeit vergessen. Als das Halsband wieder unsichtbar war, war er der freundliche anhängliche Nuri. Da sieht man mal wie schlau die Hunde sind, und unsere Gedanken lesen können.

nuri

 

Völlig problemlos verlief das Leinentraining mit dem hübschen schwarzen Sparky, wir hatten den Eindruck, dass er schon bei Menschen gelebt hat.

sparky


Natürlich haben wir auch immer wieder Notfälle: zum Beispiel KAYA, eine 18 Monate junge Kangal (-Mix) Hündin. Sie wurde von einer jungen Frau abgegeben, bei der sie vorher seit Welpenzeit gelebt hat. Leider ist sie in einem sehr heruntergekommenen Zustand: extrem dünn, struppiges Fell und unsicherer Gang, zudem kaum Muskulatur. Da liegt eine unschöne Vermutung nahe: Schmerzen in Hüftgelenk. Kaya mag Menschen sehr und ist zutraulich. Wir fanden heraus, dass sie auch kaum etwas fressen mag.

kaya

 

kaya

 

HAPPY (eingeliefert Ende Juli 2017 zur Kastration) ist wieder im Tierheim. Irgendwer hatte ihr wohl irgendwann die Vorderläufe verstümmelt. Ein Röntgenbild zeigt, dass sie auch Schrotkugeln in den Beinstummeln hat. Sie kann damit nicht laufen, sondern robbt über den Boden. Sie war bei Agota auf Pflegestelle, da das Leben im Tierheim für sie sehr schwierig ist. Nun wurde sie zurückgebracht, weil sie angeblich unverträglich und futterneidisch ist. Das kann ich aber nicht bestätigen, denn ich habe sie mehrfach längere Zeit in ihrem Zwinger besucht, wo sie mit Junghunden zusammen ist, die immer mal wieder versuchen, ihr das Futter aus dem Napf zu klauen. Verständlich, dass sie dann knurrt und schnappt. Anders kann sie sich doch nicht wehren. Happy liebt es, gestreichelt zu werden, wenn man sich zu ihr setzt. Sie schaut den anderen Hunden zu und wirkt auf mich sehr traurig.

 

happy

 

happy

 

Sonntag, Montag, 8 - 9. Juli

Den Sonntag haben wir für Arbeiten im Haus genutzt, haben mal alle Leinen, Halsbänder und Geschirre sortiert und einige Reparaturen durchgeführt. Was macht man ansonsten an einem verregneten Sonntag nachmittag in einem rumänischen Tierheim? Man nutzt die Zeit, mal zu den neuen Junghunden in die Zwinger zu gehen, sie zu beobachten und zu beschreiben, nur so können wir ihr Verhalten einschätzen zwecks Vermittlung an nette Menschen.

Die G-Welpen (Geronimo, Ginger, Graziella, Greta und Gudrun) sind alle ganz bezaubernd und zutraulich. Auch Hope und Hoshi lassen sich durchaus anfassen und sind neugierig auf mich. Die kleinen Brüder Connor, Yari und Nantha sind so hübsch mit ihren seidigen Pelzchen, Connor ist der Mutigste und kommt immer an, lässt sich sogar kraulen.
Es gibt so viel zu tun: Bilder machen, Hunde untersuchen, beschreiben .... Dabei machen wir uns ständig Gedanken, wie wir die Gesamtsituation im Tierheim in den Griff bekommen können. Wir haben lange Gespräche geführt und suchen nach einer Lösung.
Die Atmosphäre ist angespannt und belastend für alle.

 

Dienstag, 10 Juli

Wir packen drei unserer Sorgenkinder ins Auto und fahren in eine Klinik zwei Stunden nördlich von Ditrau. Markus Raabe, von Equiwent (Schmiede ohne Grenzen) hat dort eine moderne Klinik aufgebaut mit diagnostischen Geräten, die es in Gheorgheni nicht gibt. Er stellt uns seine tierärztlichen Leistungen dankenswerter Weise zur Verfügung.
Wir packen Kaya und Ben ( er wurde vermutlich von einem Auto angefahren) ein, damit wir sie dort Röntgen lassen können, und Inca, die im Juli 2017 als schwer kranke Hündin mit einem Vaginaltumor zu uns gekommen war. Damals war sie sehr krank und niemand konnte sagen, wie lange sie noch zu leben hat. Doch Inca hat sich gut erholt, es gibt ein Pflegestelle für sie, damit sie noch ein paar schöne Jahre haben kann, nach ihrem langen Straßenhundeleben. Bei ihr soll ein geriatrischer Bluttest gemacht werden. Die Hinfahrt dauert 2,5 Stunden, doch die Hunde sind ruhig und verschlafen die Fahrt durch die Karpaten.

Typische Straßenszene irgendwo in den Karpaten

straße

 

In der Klinik angekommen werden wir schon erwartet und sehr freundlich begrüßt.
Wir staunen über die hochmoderne Ausrüstung mit einem fantastischen großen Röntgengerät für Pferde und Kleintiere. Auch Kastrationsaktionen für "Besitzerhunde" werden hier regelmäßig durchgeführt und sind ein weiteres Projekt von Equiwent, um das Hundeelend auf Rumäniens Straßen zu bekämpfen.
Kaya wird in Kurznarkose gelegt und geröntgt, das Ergebnis ist erschreckend: hochgradige Hüftgelenksdysplasie! Zudem starke Muskelatrophien (Muskelschwund), was bewirkt, dass die oberen Teile (Femurkopf) des Oberschenkel nicht in der Hüftpfanne halten können.


roentgenbild


Bei Ben wird eine Verwachsung zweier Wirbel diagnostiziert, die von einem Unfall, Schlag oder tritt stammen können, eventuell war das Rückgrat angebrochen und ist ungünstig verheilt. Machen kann man da erstmal nichts, der kleine Rüde läuft etwas "unrund" mit gebogenem Rücken, scheint aber derzeit keine wesentlichen Schmerzen zu haben. Er kann recht flott durch den Garten flitzen.

ben

Inca wird Blut abgenommen, an ein Labor geschickt und die Ergebnisse bekommen wir später zugeschickt.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Markus Raabe und seinem Team, das wir dort kennenlernen konnten und mit dem wir gute und interessante Gespräche führen konnten. Das war eine sehr große Hilfe für uns und ein Lichtblick.

Die Rückfahrt dauerte erneut 2.5 Stunden, doch unsere Passagiere war gelassen und ruhig.


Mittwoch, 11. Juli
Morgens bringen Lutz und ich Candy nach Lazarea, wo sie zusammen mit 2 Welpen von Agotas Pflegestelle auf die große Reise gehen darf. Machs gut, meine Schöne. Am kommenden Sonntag sehe ich dich in Deutschland wieder! Ich freu mich so.

 

candy

 

MIttags unternehmen Daniela und ich einen kleinen Ausflug in die Berge nördlich von Ditrau, Da wir ja diese Reise komplett aus eigenen Taschen finanzieren, gönnen wir uns eine Auszeit, um mal abzuschalten. Wochenende gibt es für uns ja sonst nicht.

 

berge

 

berge

berge


Den Nachmittag nutzen wir noch, um gemeinsam mit Levente den neuen Junghunden Microchips einzusetzen. So werden sie eindeutig und unverwechselbar gekennzeichnet, denn oft ist es schwer, die Hunde wieder zu erkennen. Wenn wir nach Monaten erneut ins Tierheim kommen, haben sie sich oft sehr verändert. Der Chip ist auch die Grundlage für den EU-Pass, den alle Hunde haben müssen, wenn sie ausreisen dürfen.

 

h-welpen

 

Am Donnerstag, den 12. Juni machen wir uns auf die lange Reise zurück nach Deutschland. Wir haben viel Eindrücke mitgenommen, über die wir nachdenken müssen und eine lange To-Do-Liste.

Nachtrag: Ende Juli durften die Sorgenkinder Ben, Inca und Kaya das Tierheim in Richtung Deutschland verlassen. Inca ist laut Blutbild gesund und noch gar nicht so alt, wie ursprünglich angenommen.

 

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